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Politiſche Notwendigkeiten können wirtſchaftliche Maßnahmen rechtfertigen, die, abſolut betrachtet, in ſich ſelbſt, in ihren Folgen Feine Rechtfertigung finden Wirtſchaftliche und wirtſchafts politiſche Maßnahmen können aber auch den feflen Kitt bilden, der Volker dauernd politifch verbindet. Sie können Intereffengemeinfchaften bilden, die die beſte Grundlage für eine gemeinfame Außenpolitik if, Man kann fogar noch i weitergehen und fagen: Erft die Verfettung der wirtſchaft— lichen Sntereffen zweier Völfer wird überhaupt ihre politifche Ver; bindung fihern, Wir haben ja die Yuswirfung diefer Tatfachen am intenfioften in Deutfchland felbft erlebt. Die wirtfchaftlice Ssntereffengemeinfchaft, die der Zollverein in langfamer, aber alle Kreife der Bevölkerung durchdringender Arbeit gefchaffen hatte, war der fefte Unterbau, auf dem das folge Gebäude des Deutfchen Reiches errichtet worden ift, und allein errichtet werden fonnte, Öfterreich hat feinergeit dieſe Bedeutung des Zollvereins erft fpät su ſpät für feine damaligen Intereſſen erfannt. Erft Anfang der soet Jahre machte e8 wirkliche Anftrengungen, um in den Zollverein aufgenommen zu werden. Preußens Intereſſe lagin derentgegen— geſetztt en Richtung, und es benußte fofort die Gelegenheit, um den Mitftreiter um die politifche Vorherrſchaft in Deutſchland bei; feite zu ſchieben. Und dazu bot einehandelgpoliti (che Maß; nahme das Mittel. Der Handelsvertrag Preußens mit Frank reich vom Jahre 1862 bedeutete eine energifhe Schwenfung sur Freihandelspolitik. Hfterreich, deffen Induftrie weit zurüdgeblieben war, war auf einen flarfen Zolfhug nah wie vor angewieſen. Durch dieſe Tatſache und den Umſtand, daß Frankreich in dem Handelsvertrag das Recht der Meiſtbegünſtigung eingeräumt

| v Aufnahme Hfterreichs in den Zollverein Wurden "al; WER Se | it aber war auch der Kampf um

ben dam ein Diiegel Üoegeiys Deutfehland tatfächlih endgültig entſchieden.

bie Vorherrſchaft in Wucht iſt Bald nach Kriegsbeginn die Forde—

emenfaret —— daß als Frucht dieſes Krieges möge er aus— 3

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alten wie er wolle die wirt ſchaftliche Einigung oder = wenigſtens Unnäherumg swilhen Deutfchland und Offer; reich kommen müſſe. Die politifhen Vorausſetzungen Hieryy ind ja zum großen Teil fo günftig wie noch nie, drängen zum Teil darauf hin. Vor dem Stiege fchien eg, ‚als ob alle dahingehenden Beftrebungen und ganz haben fie ia nie geruht vollſtändig zur Ergebnisloſigkeit verurteilt wären. Der Krieg hat aber überall das Bewußtſein eingehämmert, daß Deutſchland und Öfter, reih auf lange Zeit eine flarfe Schutzmacht miteinander bilden müffen, hat aber auch die Erkenntnis gefördert, daß beim Beginn der, Sriedensverhandlungen die beiden Staaten in den Grun d— zügen ihrer Handelspolitik zueinander einig fein müſſen. Noch mehr als bisher werden bei den Friedensverhand— lungen nach dieſem Kriege die handelspolitiſchen Fragen einen breiten Raum einnehmen. Da gilt es, für Deutſchland und Ofterreich möglichſt gi nflige Bedingungen herauszuholen, und das wird um fo leichter fein, jeinniger beide Zentralmächte zu; ſammengehen. Diefeg zufammengehen wird ihnen bandelspolitifch die gleihe Stoßkraft geben, wie fie ihnen die enge militä riſche Verbindung gegeben hat, Es muß eine Frucht des Sieges fein, daß ung der Weltm arkt offen flieht, daß wir faufen und verkaufen können, wo mir wollen, Diefe Frucht wäre gefährdet, wenn bei den Friedensverhandlungen Deutſchland und Oſterreich nicht in ihren handelspolitiſchen Forderungen einig wären. Irgend⸗ welche politifhe Bedenken von der Art, wie fie in den soet und 6oer Jahren für Öfterreich und Preußen ausfchlaggebend waren, find heute nicht mehr vorhanden, Heute, wo wir wei große Mächte haben, mit einer ſtarken innern Gewalt, iſt die Gefahr einer

Rivalität um die Vorherrſchaft beſeitigt, wenn nur ſelbſt bei

der innigſten wirtſchaftlichen Annaͤhe keit beider Staaten gewahrt wi, ee BR Rändi 9

rd. Mir ; su ſprechen kommen, ob es ma eine a fPäter noch darauf

cht zu denken iſt, dürfte eg nur dur

Bindung gefchehen, E; 0 durch allgemeine W za Folge —* "bie beit ——— ſtaatsrechtliche —e— BEA Bean e beide Mächte in ihrer innern Selbftändiaf ie e ; und deshalb wieder Zuffände ſhaffen könnte, dieyn eit be, er Mitte des vorigen Jahrhunderts ſich nicht weſen elic —— in en 4 +

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In dem Verhältnis zwiſchen ſterreich⸗-Ungarn als eine Staat, einheit und Deutfchland liegen heute Feine Gründe, die einer wirrfhaftlihen Annäherung entgegenftehen, Um fo mehr in dem Berhältnis zwifhen Oſterreich und Ungarn. In der äußern Politik bilden dieſe beiden Teile der Donaumonarchie eine Einheit duch den ſogenannten „Ausgleich“ find fie auch wirtſchafts— politifch eng miteinander verbunden, fie haben eine Zollunion. Bei sen Sonderbeftrebungen, die die Ungarn immer gehabt haben und die fie auch in diefem Kriege mit Umficht und Zähigkeit verfolgen, befteht aber die Gefahr, daß ein folder Ausgleih einmal nicht suftande kommt. Die Lage wäre dann fo, daß Deutſchland gezwungen wäre, mit Öfterreich und Ungarn gefondert zu verhandeln und mit jedem einen befondern Vertrag absufchließen oder aber überhaupt darauf zu verzichten, mit Ungarn in ein näheres handels; politifches Verhältnis zu treten. Daß Deutſchland mit Öfferreich und Ungarn als zwei Vertragsteilen eine wirtfchaftlihe Annäher rung eingeht, darf man wohl für ausgefchloffen halten, eher wäre e8-denfbar, daß Ungarn überhaupt ausfheider und eine wirt— ſchaftliche Intereſſengemeinſchaft mit Hfterreih allein gefhloffen wird, wobei allerdings nicht verfannt werden fol, daß ein Bündnis ohne Ungarn ihm für Deutfchlend viel von dem volkswirtſchaft—⸗ lichen und auch politifchen Werte nehmen würde. Inwieweit dag der Fall wäre, werden wir fpäter noch fehen. In Nr. 217 der „Frank: furter Zeitung“ findet Eugen v. Philippomwich feharfe, aber nicht unberechtigte Worte gegen die Ungarn: „Die Ungarn verftehen es nur beffer, ihren Willen durchzuſetzen als die öſterreichiſche Negierung, die heute ſchon vor einem felbfländigen Entfhluß in der Trage der künftigen Handelspolitif der Monarchie aus Angft vor Ungarn zurück⸗ ſchreckt. Wir können e8 ruhig den Ungarn überlaffen, fih handels— politifch von ung zu frennen, wenn fie e8 durchaus wollen.” Viel—⸗ leicht wäre der Ießtere Vorſchlag das befte Mittel, die Ungarn zu bewegen, fih handelspolitiſch möglichft eng wieder an Hfterreich anzufchließen. Das dürfen wir in Deutſchland wohl hoffen, daß Hfterreich weiß, was eg will und ohne zu zaudern die geeigneten Mittel und Wege ergreift, um das als Recht Erfannte durchzuſetzen. Wenngleich aus Hfterreih und Ungarn Stimmen kommen, die warm für eine wirrfehaftlihe Annäherung mit Deutſchland fprechen, ſo fieht man doch dort vielfach die Stage mit mehr Mißtrauen, fälter und nüchterner an als in Deutſchland. Vielfach macht man, in Öfterreih und Ungarn das Zuftandefommen eines wirtfchaftlichen Bündniffes von ber vorherigen Einigung dee beiden Teile

der Donaumsnarchie abhängig. Bei einer Sitzung der um

ii ' Hari Gruppe des Mitteleuropäifhen Wirtſchaftsvereins in Su fimmte man zwar darin überein, „daß ein innigeres Verhäftnis

zwiſchen den verbündeten politifhen Staaten auch auf wirtſchaft— lichem Gebiete hergeſtellt werben müſſe. ... Ehe aber die ungariſchen wirtſchaftlichen Faktoren, ſowohl die Induſtriellen wie die Agratiet einen definitiven Beſchluß faſſen, wollen ſie mit den öſterreichiſchen Fachkreiſen zu einer Übereinſtimmung gelangen; denn wenn qy

Ungarn, wie dies Dr. Wederle (Minifterpräfident a. D.) ebenfalfg ausführte, die Wahrung feiner wirtfchaftlichen Unabhängigkeit alg Grundſatz aufftellt, will e8 doch in Verhandlungen mit Deutſchland erſt eintreten, wenn es mit Öflerreich ein gemeinſames Programm vereinbart hat.“ Und der Induſtrielle Klub in Wien, der in ſeiner Jahresverſammlung ebenfalls Stellung zu der ſchwebenden Frage genommen hat, forderte in ſeinen Leitſätzen: „Selbſtredend erfordert jede Verhandlung mit dem Deutſchen Reich die vorherige lang—

ſichtige Regelung unſeres Verhältniſſes zu Ungarn.“ Ob dieſe su

ſtande kommt, bevor es zu ſpät iſt, wage ich hier nicht zu beurteilen. Überrafhen mußten die Ausführungen im Wiener „Fremden, blatt" vom 20. Juli, die offenbar offiziöfer Natur find, Gie vor langen nicht mehr und nicht weniger als die Ein fellungder Disfuffiogn über die wirtſchaftliche Annäherung zwiſchen Deutſch⸗ land und ſterreich⸗ Ungarn überhaupt. U. a. wird geſagt: „Allein auch die fachlich zuſtändigen Kreiſe werden ſich darüber klar werden müſſen, daß die Fortführung der Diskuſſion im gegenwärtigen Augenblick mancherlei Bedenken wachruft. Den Maͤnnern, welche im ernſten geſchäftlichen Leben ſtehen, kann nicht entgangen ſein,

Bun): und Daher nicht zeit gemäß iſt. Die militäriſchen Ereigniſſe ſind noch im Br die —— ungewiß, es fehlen darum wichtige

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gefährlich werden können. Man wird dies bei den Vorfchlägen, die einer wirtſchaftlichen Annäherung dienen follen, wohl beachten müffen. Man wird e8 auch beachten müffen, wenn man die Stimmen, die aus Öfterreich und Ungarn kommen, richtig würdigen will, Die Begeiſterung, die die gewaltigen Waffentaten der beiden Bundesgenoffen ausgelöft haben, hat zu Vorſchlägen verleitet, Die von Öfterreih- Ungarn eine glatte Ablehnung erfahren mußten, Dabei darf man nicht vergeffen, daß in der Donaumonarchie gegen die Handelspolitif des Deutſchen Neiches ein ſtarkes Mißtrauen befteht, dag in dem legten Handelsvertrag der beiden Zen; tralmächte feine tieffte Urfache hat. Öſterreich-Ungarn glaubt fich heute noch duch ihn übervorteilt, weil Deutfchland die Herabfegung wichtiger Induſtriezölle von Öfterreich erlangt hat, während diefem . felbft nur unbedeutende Zugeftändniffe gemacht worden feien, Dazu kommt noch ein anderes! In Deutfchland hat fih vor dem Kriege eine wenigſtens fehr Ta ut e Agitation für eine Ermäßigung beftimmter Schußszölle bemerkbar gemacht, die vor allem aus Handels⸗ freifen hervorging, Die meiterverarbeitende Induſtrie war Dabei nicht in dem Maße beteiligt, wie man eg wohl gerne hinftellte, wenn da und dort auch Stimmen für einen Abbau unferer Zölle laut wurden. Die Verbindung zwiſchen dem Zentralverband der Deut; (hen Snönftrielfen und dem Bund der Induſtriellen, die Verbindung zwiſchen Der Vertretung der Kohftoffz und der weiternerarbeitenden Induſtrie ift Doch ein deutliches Zeichen dafür, daß au) diefe noch volles Verftändnis für die Bedeutung det Schutzzölle hatte. In— folge dieſer Agitation für einen Abbau der Schutzzölle wären vor dem Kriege etwaige Beſtrebungen zur Herbeiführung einer wirt— ſchaftspolitiſchen Annäherung zwiſchen Deutſchland und öſterreich son vornherein zur Ergebnisloſigkeit verurteilt geweſen. Auf die Haltung mancher Kreiſe in Sſterreich⸗ Ungarn dürfte dieſe Agitation auch heute noch von befimmendem Einfluß ſein, zumal die Beſtrebungen keineswegs aufgegeben ſind. Sie traten nur nicht hervor, einmal weil der Zeitpunkt ungeeignet iſt, vielleicht aber auch, weil ja unter der Not der Zeit bie wichtigſten Agrarzölle auf— gehoben worden ſind. Dieſe Tatſachen kennt man in ſterreich— Ungarn auch und ſie machen miß traui ſch gegen Deutſchland. Denn Hfterreich denkt nicht Daran, feine Zölle zu ermäßigen, und 35 ggg feiner Induſtrie rechtfertigt wohl dieſen Standpunft, u te bedarf Det Zölle tatſächlich noch.

1? geiteffgehende Vorſchlag, der mit ebenfoviel Begeiite —8*— wie Kihtberückſichtigung der tatſächlichen Ver—

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haͤltniſſe gemacht worden if, iſt der einer Zollunion. Deutſchland und Sſterreich-Ungarn ſollen dabei ein ein heitliches Wire ſchaftsgebiet bilden das feine Zölle voneinander trennt, dag aber eine gemeinfame Zollgrenze gegen dag Ausland hat. Eine einheitlihe Handelspolitif gegenüber dritten Staaten wäre dabei Vorausferung Das leßtere wäre diskutabel, dag erftere nicht. Eigentümlicherweiſe find gerade Kreife in Deutſchland für dieſen ertremflen Plan eingefreten die ſonſt fehr viel Sym; patbien für Öfterreich haben, Eigentümlicherweife denn Diefer Pan in die Wirklichkeit umgefegt, müßte Ofterreich ſchwer fh Adi sen, weil feine Induſtrie durch die übermächtige deutſcheer drückt werden müßte. Aus Oſterreich⸗ Ungarn find denn auch fofort Stimmen der Abwehr laut geworden, die ohne weiteres den Wlan einer voll; fändigen Zollunion verwor fen haben. Der Grund der Ab lehnung liegt in der nicht grundſätzlich, aber graduell verſchiedenen Wirtſchaftsent wicklung Deutſchlands und öſterreich— Ungarns. Auf dieſe Verſchiedenheit werde ich nachher zu ſprechen kommen. Hier ſei nur noch kurz erwähnt, daß einer Zollunion, die natürlich in Bälde insg Reben su treten hätte, fich faft unüberwind— ide techniſche Schwierigfeiten entgegenftellen. Es ift felbft; verftändlich, daß es nicht angängig wäre, Dem einen oder dem andern Sande einfach das Zollſyſtem Sſterreichs oder Deutſchlands aufzu⸗ zwingen. Der Zolltarif it ſoweit er nicht reine Finanzzölle auf⸗ weiſt, das ſind ſolche, die lediglich den Zweck haben, einem Lande Geld einzubringen der Yusdrud der wirtſchaftlichen Entwidlung eines Landes im Verhältnis zur Weltwirtſchaft. Die im Verhältnis zum Wert höchſten Zölle find für die Produkte ———*8 * * enstänbifipe Konkurrenz am ſchwerſten ertragen ——— ne Schutz Gefahr liefen, vom ausländiſchen Wett— ‚9 erdrückt zu werden, Einen im Verhältnis zum Wert nur geringen Zolfag weißen die Erzeugniſſe derjenigen Produktion auf, die im Inlande fo erſtarkt iſt, daß fie bei der unbefchränften —— des Weltmarktes beſtehen lann; die noch bei einer Preis⸗ ng eftehen kann, die unter den günſtigſten Produffiong, Zungen ſtattfindet. Der deutfhe und öſterreichi

ſind in ihrem ganzen Aufbau und den ei he zolltarif

die Tertilindufteie eine eingehendere Gliederung auf ald ber deutſche,

weil er ganz anders Nüdficht auf die befondern Verhältniffe der Induſtrie nehmen und deshalb viel mehr ins einzelne gehen muß. Da wie gefagt der Zollfaß nicht etwas rein Außerliches, fondern in den Verhältniffen der Prodnktion begründet ift, da dieſe ferner in beiden Ländern durchaus verfhiedene Bedingungen aufweift, fo müßte ein neuer gemeinfamer Zollktarif, der bei der Zollunion ſelbſtverſtändlich ift, fich auf einer mittlern Linie auf bauen, die den verfchiedenen Verhältniffen in beiden Ländern Ned); nung trägt. Man denke fih aber die vielen ſchwierigen Verhand— lungen, die zwifchen den beiderfeitigen Behörden flaftfinden müßten, denfe an die Erhebungen, die notwendig wären, um zu Feinem ungünftigen Ergebnis zu gelangen, denke endlich an die Berge von Eingaben aus Sntereffentenfreifen, die alle durchgearbeitet werden müffen, und man wird verflehen, wie latenhaft der Vorſchlag ift, den beftehenden Zuftand durch eine Zollunion abzuläfen.

Noch andere zum Teil nicht weniger fchwierige Tragen gäbe eine Zollunion gu löfen, Die Einrichtung einer gemeinfamen Ver— waltung; ihre Abänderung und Durchführung nach den gleichen Grundſätzen wäre ein gewaltiges Arbeitsfeld, Die Verteilung der Unfsften aus den gemeinfamen Grirägen ließe fich ſchließlich leicht bewältigen, wenn die Verwaltungsfrage einheitlich geregelt wäre, Wie aber flände es mit der Verteilung der verbleibenden Zolleinnahmen? Selen fie nah der Bevölkerungs— sahl anf die einzelnen Länder verteilt werden oder nach welchen andern Verteilungsmaßſtab? Das find Fragen, die gar leicht ger ftellt, aber fehr fchmwer beantwortet werden können.

Heute wird kaum mehr von einer Zollunion geſprochen. Die Klärung bat die überall einfeßende Diskuffton gebracht, Man ift befcheidener geworden: am befeheideniten Die, die lediglich einen für beide Teile günftigen Handelsvertrag wünſchen. Mit einen ſolchen ift ſelbſtverſtändlich Dem anfangs angedenteten Zweck, durch mwirtfchaftlihe Intereffengemeinfhaft das politiihe Bündnis feſt su verankern nicht gedient. Denn an einem bloßen Handels; vertrag kann jeder dritte Staat teilnehmen, wenn in einem Handels; oerteag mit ihm das Recht der Meiftbegünftigung auf genommen wird. Dieſes beſteht bekanntlich darin, daß der Handels— vertragsſtaat alle Vorzüge ohne weiteres genießt, die dent meiſt— begünſtigten Stagt eingeräumt worden ſind. Der endliche Zweck einer wirtſchaftlichen Annäherung zwiſchen Deutſchland und Sſterreich muß die Zollunion fein, wenn dieſe ſelbſt jetzt auch

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noch nicht lebensfähig if. Deshalb muß ein Zwifhengu ſtand geſchaffen werden, der jenes große Ziel vorbereitet, ein Zwiſchenzuſtand, Der die wirtſchaftlichen Voraus; ſetzun g en zur endlichen Zollunion ſchafft. Der Zuwiſchenzuſtand müßte und das iſt auch das nächſte Ziel einegegenfeir ige Vorzugsbehandlung beider Staaten ſichern, die felbftuer, ſtändlich der Teilnahme dritter Staaten durch die Meiſtbegünſtigun entzogen wäre. Die Vorzugsbehandlung beſtände darin, daß für beſtimmte Produkte die Einfuhrzölfe im Verkehr zwiſchen den beiden Staaten mäßiger gehalten würden, als ſie in Verkehr mit andern Staaten ſind. Während des Zwiſchenſtadiums müßte und könnte allmählich eine Annäherung der beiderſeitigen Zoll— tarife eintreten. Die Vorzugsbehandlung brächte es mit ſich, daB Deutſchland und Sſterreich in ihrer Handelspolitit dritten Staaten gegenüber fländig in Fühlung blieben, daß über das Maß der Zugeftändnifie, die in einem Handelsvertrag einem Dritten gemacht werden follen, vorher eine Einigung zwiſchen den beiden Bundesgenoffen erzielt wäre,

Die größte Schwierigkeit auch für eine Derarfige wirtſchafts— politiihe Annäherung liegt in der ver \hiedenen Wirt, ſchaftsent wicklun g, die die beiden Länder aufweiſen. Die innigſte Annäherung wäre leicht, wenn der wirtſchaftliche Charakter der beiden Länder prinzipiell voneinander v erſchieden wäre, wenn Sſterreich⸗ Ungaͤrn etwa reiner Agrarſtaat, Deutſchland dagegen reiner Induſtrieſtaat wäre, der ſeine induſtriellen Erzeug⸗ niſſe gegen die Früchte der Landwirtſchaft eintauſchen würde. So liegen die Verhältniſſe aber nicht. Deutſchland iſt Induſtrie⸗Agrar⸗ ſtaat es bat neben einer ſtarken Induſtrie eine leiſtungsfaͤhige Landwirtſchaft. Zwar iſt Ofterreich heute nohnielme hrAgrar— ſta at als Deutſchland, obgleich ſeine land wirtſchaftliche Produktion beſonders verhältnismäßig viel geringer iſt als die Deutſchlands Ofterteich ſowohl aber wie Ungarn weiſen eine Induſtrie auf, die eine kräftige Ent wicklung verſpricht. Und das iſt eben, was eine wirtſchaftliche Annäherung beider Staaten ſo ſchwer macht daß zwar in Oſterreich⸗ Ungarn die Ent wicklung zum A tat Xnduffrie, ſtaat ſchon kräftig eingeſetzt, aber noch lange * * Eu man bat wie in Deutſchland. Sſterreich Induſtrie bewußt durch ein Syſtem hoher S chutzzöll e, das die

ausländiſche Konkurrenz ungefährlicher ma wie die Tertilindufttie ind unter S F Eiſen— Zölle gut gediehen. Das hat die deutſche Teprijı Ir a

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im Balkankriege gu fühlen befommen, als die öfterreichifehe in Er; mangelung des Abſatzes auf den Balfanländern ihre Erzeugniſſe nach Deutfchland warf und der deutſchen Tertilinduftrie eine recht unangenehme Konkurrenz bereitete. Aber froß ber guten Anſätze könnte die öſterreichiſch-ungariſche Induſtrie eben Doch wicht mit der deutſchen koönkurrieren und müßte im freien Wettbewerb unbedingt unterliegen. Das miffen die öfterreichifchen Snduftriellen auch, und deshalb ſtehen fte der handelspolitifchen Annäherung mit einer gemiffen Kühle gegenüber. In der bisherigen Diskuſſion macht fich ein Mangelanpraftifhen Vorſchlägen bemerkbar, der deutlich zeigt, wie fh wer eine den beiderfeifigen Snfereffen gerecht werdende Einigung if. Man wird kaum einen Vorſchlag finden, der beffimmt fagt, welche Zölle im Verkehr zwiſchen den beiden Ländern ermäßigt werden Fönnten Nur das eine hört man, daß die Zölle auf Rohſtoffe und Halbfabri— fate wohl eine Ermäßigung erfahren könnten, ohne die Intereſſen su gefährden.

Die gegenfäglihen Intereſſen, die eine handelspolitifche An— näberung erfehweren, Tiegen vor allem in den induftriellen Rerhältniffen. In der Lage der Landwirtſchaft iſt weder in Deutſchland noch inÖfterreich- Ungarn ein hemmenderGrund zu erfeben, wenn da und dort auch in Deutfchland fehon Stimmen lauf geworden find, die für unfere Landwirtſchaft fürchten. Wenngleich Äſterreich— Ungarn feine geringe Menge Tandmwirtfchaftliher Produkte nad Dentfehland ausführt, fo wird dadurch unfere Landwirtſchaft nicht gefährdet, handelt es fich doch meift um folhe Erzeugniſſe, Die eben unfere Landwirtichaft felbft nicht in genügender Menge hervor; bringt. Der größte Teil der Einfuhr landwirtſchaftlicher Erzeugniffe entfällt auf Gerfte, am der die heimifche Landwirtſchaft ja lange nicht den Bedarf dedte. Im übrigen benötigt ÖfterreichUngarn feine (andwirtfehaftlihe Produktion ziemlich Für fi. Die Zeiten find vorbei, in denen e8 ein Getreide aus fuhrland war Mit Ausnahme von Gerſte, deren Überſchußerzeugung Deutſchland faft ganz aufnimmt, führt —ſterreich-Ungarn fein Getreide mehr aus, 68 produziert gerade fo viel, als es felbft brauchen kann. U. €. hätte eher Ungarn bei landwirtſchaftlichen Vorzugszöllen et was zu fürchten, denn es wäre nicht ausgeſchloſſen, daß ſich unſere Über— produktion an Roggen in Oſterreich-Ungarn einen Abſatzmarkt fucht, zumal wenn es ung nicht gelingen follte, mie Rußland, das bisher den größten Seil unferes überſchüſſigen Roggens aufgenommen hat, einen, günſtigen Handelsvertrag abzuſchließen. Rußland hat

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fe ſtark erhöht mit eit vor Kriegsausbruch die Getreidezö le Zweck, die deutſche —— ——

Von der wirtſchaftlichen Entwicklung gibt die ei a teilung der Ermwerbstätigen in Deutſchland, Hfter

garn ſchon ein anfchaulihes Bild:

zäh Jahr

1907 1895 1907

Gefamt-Bevölferung

Erwerbstätige Land⸗ und Forftmwirt; mi (haft, Fiſcherei 1895

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Us Induſtrie u. Bergbau | ot

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Unis

Handel und Verkehr 511997

Armee und Marine

Sonft. öffentl, Dienfte wi freie Berufe 1895

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Sonflige Erwerbs; * tätige 1895

Von 100 Erwerbstätigen gehören 3

Land⸗ und Forſtwirt⸗ 1907 Alto

(Haft, Fifcherei

Induſtrie u, Bergbau | 1907 "907 Handel und Verkehr (190 Armee und Marine ——— Sonft. öffentl. 3 Dienfte 11907

freie Berufe 185 Häusliche Dienfiboten on ie Sonſtige Erwerbs⸗ *

tätige 1895

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Dentichland

61 720 529

28 092 117

9 883 257 8 292 692

II 256 254

8 281 220 3 477 626 2 338 511 651 194 630 978 I 087 336 794 983 1264755 1 339.316 471695 432 491

35,2 37,5 40,0 37,4 12,4 10,6 2,3 2,8 3,9 3.6 45 6,1 1,7

2,0 12

äh Jahr

1900 1890 1900 1890 1900 1890 1900 1890

1900

1890 1900 1890 1900 1890 1900 1890 1900 1890

1900 1890 1900 1890 1900 1890 1900 1890 1900 1899 ISoo 1890 1900 1890

*

——

Hfterreich ve | Ungarn

26 150 708

13 476 773

8 205 574 8 469 223 3 138 800 2 880 897 723 401 577 698 209 C37 187 507 388 123 312 029 478 756 456 277 313 082 267 375

62,9 64,4 23,3 21,9 5,4 4,4 1,7 1,4 2,9 2,4 3,5 3,5 2,3 2,9

19 254 559 8 690 067

6 055 390 5 425 205 I 184 400 943 468 362 709 362 116 132 336 114 339 213 910 165 089 385 324 376 270 355 998 350 281

u jeder Berufsabteilung

69,7 71,9 13,6 12,4 4,2 3,4 I,5 I,5 2,5 2,2 4,4 4,9 4,1 4,6

Ohne im einzelnen auf die Zahlen, die für fih ſprechen, näher einzugehen, fei nur erwähnt, daß dee prozentuale Anteil, den die Erwerbstätigen in Induſtrie und Handelftellen, in Deutſch— land viel größer iſt als in Sſt err e iſch und erſt rechtin Ungarn. Umgekehrt iſt hier der Anteil der Berufstätigen in der Lands und Forſt wirtſchaft bedeutend größer als in Deutſchland. Für Die Be; urteilung der induffriellen Entwicklung ihres Landes iſt feine Rohr eifengemwinnung ein guter Maßſtab. Diefe betrug im Deutz fchen Reich im Jahre 1912 17,6 Millionen Tonnen, in Öfterreich 2,6 Millionen. Für die gewaltige Entwiflung, die Deutſchlands Induſtrie genommen hat, fpricht am beften die Tatfache, daß fie um die Jahr: bundertwende die Noheifenerzengung Englands überholt hat und nun nur noch von den Vereinigten Staaten übertroffen wird. Auch die Kohlenförderung bleibt in Öfterreich und Ungarn weit hinter der Deutſchlands zurück. Ste betrug in Deutfchland 174,9 Millionen Tonnen im Sahre 1912 im Werte von 1,8 Milliarden Mark, in Öfterreich und Ungarn dagegen nur 17 Millionen Tonnen im Werte von 151 Millionen Mark, Auf den Stand der Tertil indufteie läßt ſowohl der Baummollverbrauch wie die Anzahl der Baummollipindeln einen Schluß zu. Der erftere betrug in Deutfehland 1912/13 1 579 737 Ballen, in Öfterreich dagegen 837 065 Ballen; in Deutfehland waren am 1. März 1914 etwa 14 Millionen Spindeln vorhanden, in Hfterreih ungefähr 5 Millionen. Der deutſche Außenhandel hatte in der Einfuhr im Jahre 1913 einen Wert von 10,8 Millionen, in der Ausfuhr einen folhen von 10,1 Milliarden Mark; die Einfuhr in Sſterreich-Ungarn hatte nur einen Wert von 2,9, die Ausfuhr einen folhen von 2,3 Miliarden Mark, Schon diefe wenigen Zahlen genügen, um die gewaltige wirtfhaftlihe Überlegenheit Deutfchlandg darzutun, aber auch um dag Mißtrauen zu begreifen, dag man in Sſterreich-Ungarn gegen eine wirtfchaftspolitifche Annäherung best. Denn die Gefahr ift farfächlich für die öfterreichifehe Induſtrie vor; handen, daß fie von der deutſchen erdrückt wird, wenn ihr nicht auch gegen fie ein genügender Schußzoll gewährleiftet wird. Man begreift unter diefen Umfländen die unbedingte Ablehnung einer Zollunion durch Öſterreich und die vorſichtige Aufnahme auch der weniger weitgehenden Vorſchläge.

Aus dem Gefagten ergibt ih, Daß einem Zwiſchenzuſtand Her angedeuteten Art die Aufgabe zukommt, die öſterreichiſche In⸗ duſtrie zu kräftigen. Das darf nicht nur durch die Erhaltung hoher Schutz zollmauern —— eine weitſichtige planmäßige

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Induſtrialiſierungspolitik muß hierzu mitwirken. Ausbau der Waſſerſtraßen, Zuführung von Kapital, eine großzügige Eiſen bahnpoliti Verbeſſerung der Valuta das ſind einige Momente, die der Belebung des induſtriellen Lebens in ſterreich⸗ Ungarn förderlich fein koönnen.

Treten Deutſchland und „ſterreich-Ungarn bei den handels⸗ politiſchen Verhandlungen der Zukunft als ge J chl oſſene Ein— heitauf, fo wird es ihnen leichter fein, von ben jegigen G e gnern handelspolitiſche Zugeſtändniſſe zu erreichen. Denn es wird auch unſern Feinden darauf ankommen müſſen, ſolche von uns zu er⸗ langen. Es kann ihnen nicht gleichgültig ſein, ob zwei Reiche mit einer Bevölkerung von weit über oo Millionen Einwohnern ſich von ihrer Zufuhr abſchließen oder nicht. Und mit dieſem wirkſamen Mittel, daß wir ung abſchließen, können wir dro h en. Der hat uns auf eigne Füße geſtellt. Unſere Ind u ſter i e ſtellt Produkte her, die wir vorher aus dem Auslande beziehen mußten, unſere Landwirtſchaft hat gezeigt, daß ſie leiſtungsfähig iſt und die Bevölkerung ohne Schwierigkeiten ernähren kann. Bei der Ver⸗ teidigung einer nationalen Handelspolitik hat die Not wendigkeit Erhaltung einer leiſtungsfähigen Landwirtfchaft, die uns im ſchlimm⸗ fen Falle ſelbſt ernähren fonnte, eine große Rolle gef pielt, wenn diefes Beweismittel auch von den Gegnern der Iandwirtfchaftlichen Schutz⸗ zölle meiſt eine höhniſche Zurückweiſung erfuhr. Der Fall iſt nun tatſächlich eingetreten, daß die Lebensmit tel sufu ht aus dem Auslande vollſtändig unterbunden iſt, daß wir ganz allein auf die heimiſche Produktion angewieſen ſind. Gerade zur Er h ö hu ng det wirtfhaftlihenSelbftändigkeit wäre eine wirt— ſchaftspolitiſche Annäherung mit Sſterreich⸗ Ungarn von der größten Bedeutung wenn auch nicht für die Gegenwart, fo doch für die Zukunft. Ich habe oben fhon geſagt, daß Sſterreich⸗ Ungarn noch viel mehr Agrarſtaat iſt als Deutſchland. Damit ſoll aber nicht geſagt ſein, daß die Erzeugung der wichtigſten landwirtſchaftlichen Nähr⸗ früchte, insbeſondere des Getreides, größer iſt als in Deutſchland. Mit Ausnahme des Weizens iſt das Gegenteil der Fall; auch KLartoffelertrag bleib

eutſchlands zurück. Der Grund dieſer Erſcheinung li ſch zurü

atür— liche Verhältniſſe bedingten geringern Ertragsfähigkeitd

und Bodens, er liegt vielmehr einzig und allein * d Defricehbsintenfirät d

in der geringern

| er Landwirtſchaft in Sferreihrum

garn. Weite Streden Landes dienen hier no der Weine,

nutzzung, bie bei der flarfen S chafhaltun g Oſterreichs 14

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efonders Ungarns notwendig if. Eine große Schafhaltung hat aber och immer ald Beweis für eine geringe Intenfität des landwirt— fchaftlihen Betriebs gegolten, weil fie die unrationellfte Verwendung des Grund und Bodens eben als Weide bedingt, Der Beftand an Forften und Wäldern meift in Öfterreih-Ungarn einen ganz andern Umfang auf als in Deutſchland. Die Frage ift nicht unberechtigt, ob die Erhaltung eines Beflandes in diefem Um; fange notwendig tft und ob e8 nicht rationeller wäre, einen Teil des dazu geeigneten Bodens der landwirtſchaftlichen Nutzung zu; zuführen. Selbft wenn man aber auch von der Bermehrung der landwirtfchaftlih genußten Fläche abfieht, auch die gegem wärtig in Nutzung ftehende könnte ganz andere Erträge abmwerfen, wenn ſie mit der nötigen Intenfität bemirtfchafter würde, Das er; gibt fih, wenn wir die Heftarerträge der mwichtigften land; wirtſchaftlichen Nährfrüchte in Deutſchland und Hſterreich-Ungarn vergleichen. Es wurden geerntet auf Dem Hektar Weizen in Deutſch— land 23,6 Doppelzentner, in Öſterreich 15,0 und in Ungarn 12,8 Doppelzentner, die Heftarerträge an Roggen betrugen in der gleichen Folge 19,1, 14,6 und 11,9 Doppelzentner; an Gerfle 22,2, 16,0, 14,4 Doppelzentner; an Hafer 21,9, 13,0, 11,7 und an Kartoffeln . 158,6, 100,2 und 75,4 Doppelzentner. Aus diefen Zahlen ift leicht zu ſchließen, daß der Ertrag in Öflerreich und befonders in Ungarn bei Zuführung von Kapital und Arbeit noch gewaltig gehoben werden könnte. Ob und inwieweit vorab eineinnere Kolonifation

sur Hebung der Berriebsintenfität notwendig wäre, fol bier nicht - erörtert werden, nur dag fei bemerkt, daß der ausfchließlihe Gr o Br grundbeſſitz, wie er fih in Ungarn findet, für die rationellfte und intenfiofte Bewirtſchaftungsweiſe nicht die günſtigſte Vorbe— dingung ifl. Daß der Viehbefland ſowohl der an Pferden, Rind- vieh und Schweinen weit hinter dem Deutſchlands zurückbleibt, ift nicht zuleßt auf dag Überwiegen des Großgrundbeſitzes zurückzu⸗ führen, der ja auch in Deutfchland viel weniger Vieh hervor— bringt als der Feine und mittlere Grundbeſitz. Legt man den Hektar; ertrag Deutfohlands auch für Hfterreih und Ungarn zugrunde, fo könnte nach dem Verbrauch in Deutfehland gerechnet die Pros duftion an Weizen für über zo Millionen Menfhen mehr ausreichen, als fie jet ausreicht; auch bei Roggen, Hafer und Kartoffeln wäre ein großer Überſchuß zur verzeichnen, Nur bei Gerfte, an der Öfterreich- Ungarn allein mehr heroorbringt als es felbft benötigt, würde fich der Bedarf der beiden Monarhien zufammen genommen auch bei erhöhten Heftarerfrägen in Ofterreihringarn eine Fehl, 15

land e8 unangenehm empfinden müßte,

deutung bat aber Deut ſich

r Annäherung mu aus den jeweiligen wirtſchaftlichen BD ©

menge ergeben, die in der geringen Eigenpr oduktkon Deutſchlands feine Erklärung findet. Es wäre wiederum Aufgabe des Zwiſchenzuſtandes einer wirtſchaftspolitiſchen Ip— näherung, die landwirtſchaftliche Produktion

u heben. Aus dem hier Geſagten geht wohl auch hervor, weshalb Deutſch

wenn Ungarn nicht in die handelspolitifhe Annäherung einbezogen werden Fönnte, Denn gerade e8 bietet in der landwirtſchaftlichen Produktion die größten Entwidlungsmöglichfeiten und bie find, wie der gegenwärtige Krieg wohl genügſam gezeigt, von der allergrößten Bedeutung. 3 - Eine wirtfchaftspolitifche Annäherung zwiſchen Deutſchland und SſterreichUngarn müßte ſich ſelbſtoerſtändlich in den beiderſeitigen Handelsbeziehungen äußern. Sie waren bisher ſchon recht rege und nahmen im Außenhandel beider Staaten einen großen Raum ein. Die Bedeutung wird mac dem Kriege noch fteigen. Denn wenn es auch unfer Streben fein muß, die verlorenen A bfa Br märkte de8 Auslandeg wieder zurückzuerobern, und mern das ſchließlich ung auch gelingen wird, fo können doch Jahre hingehen, bis der Zufland v oc dem Kriege wieder erreicht iſt. re Da gewinnt denn —ſterreich⸗ Ungarn als Abſatzmarkt für Deutſch⸗ land und umgekehrt erhöhte Bedeutung. Der Wert der deutſchen Ausfuhr nach Sſterreich⸗ Ungarn betrug 1913 1104,8 Million en Mark oder 10,9 Prozent unſerer Geſamtausfuhr. Eine noch größere Ber land als Abſatzmarkt für Sſterreich⸗ r Öſterreich⸗ Ungarns nach Deutſchland hatte 1913 einen Wert von 827,3 Millionen Mark bei einer Geſam =: ausfuhr von 2348 Millionen Mark, Für die Durchführung der wirt RR ſchaftspolitiſchen Annäherung iſt die Tatſache von Bedeutung, daß Oſterreich⸗ Ungarn in der Hauptſache Rohſtoffe oder landwirtſchaftliche EM nach Deutfchland gegen hochwertige Induffeieprodufte einfauft, 3

Trotz der vielen politifhen u

Ungarn gehabt, Die Yusfırh

und das endliche Ziel ; hinausſchieben. Der @ de Ziel in una

nur dann fann etwas Damermdieg sefchaffen we ift Gewähr vorhanden, daß dag polit er Sands wirtſchaftliche Intereſſengemeinſchaft | | anfert wird, |

Herausgegeben vom Sekretariat So

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